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<title>Hunger</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hunger</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Hunger</b> bezeichnet eine alltägliche Empfindung, die sich durch Verlangen nach Nahrung auszeichnet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Begriff kann aber auch die dauernde Lage des Hungerns oder ein Leben einschließen,<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> in dem man nicht das Nötige hat, um sich zu ernähren. Zudem kann unter Hunger auch der objektive, physiologische Hungerzustand des Körpers bei Nahrungsmittelmangel bzw. Unterernährung verstanden werden. Hunger ist ein <a href="Mangel_(Quantit%C3%A4t)" title="Mangel (Quantität)">Mangel</a> an <a href="Nahrung" title="Nahrung">Nahrung</a>.
</p><p>Der Begriff Hunger bezeichnet ein physisches, soziales, gesellschaftspolitisches, geschichtswissenschaftliches, psychologisches, aber auch wirtschaftliches Phänomen, das je nach Betrachtungsweise unterschiedlich dargestellt werden kann. Weltweit bekämpft auf der politischen Ebene die <a href="Ern%C3%A4hrungs-_und_Landwirtschaftsorganisation_der_Vereinten_Nationen" title="Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen">Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen</a> (FAO), insbesondere mit dem <a href="Weltern%C3%A4hrungsprogramm_der_Vereinten_Nationen" title="Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen">Welternährungsprogramm</a> (WFP, erhielt <a href="Friedensnobelpreis#Preisträger" title="Friedensnobelpreis">Friedensnobelpreis 2020</a>) den Hunger.
</p><p>Die biologische Funktion des Hungerreizes besteht darin, die ausreichende Versorgung des Organismus mit <a href="N%C3%A4hrstoff" title="Nährstoff">Nährstoffen</a> und Energie sicherzustellen. Reguliert wird das Hungergefühl unter anderem durch <a href="Neurotransmitter" title="Neurotransmitter">Neurotransmitter</a>, die im <a href="Hypothalamus" title="Hypothalamus">Hypothalamus</a> produziert werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Physiologische_Vorgänge"><span id="Physiologische_Vorg.C3.A4nge"></span>Physiologische Vorgänge</h2></div>
<p>Die Regulation von Hunger und <a href="S%C3%A4ttigung_(Physiologie)" title="Sättigung (Physiologie)">Sättigung</a> ist bei Menschen ein sehr komplexer Prozess, an dem zahlreiche Faktoren beteiligt sind. Viele von ihnen sind nach wie vor nicht komplett erforscht. Das trifft vor allem auf die beteiligten <a href="Hormon" title="Hormon">Hormone</a> zu.
</p><p>Ein wesentlicher Auslöser von Hunger ist nach aktuellem Forschungsstand das <a href="Glucose" title="Glucose">Glucoseniveau</a> im Blut; dieser Wert wird von <a href="Rezeptor_(Biochemie)" title="Rezeptor (Biochemie)">Rezeptoren</a> in <a href="Leber" title="Leber">Leber</a> und Magen an den <a href="Hypothalamus" title="Hypothalamus">Hypothalamus</a> im <a href="Zwischenhirn" title="Zwischenhirn">Zwischenhirn</a> gemeldet, in dem sich ein <i>Hungerzentrum</i> und ein <i>Sättigungszentrum</i> befinden. Bei <a href="Hypoglyk%C3%A4mie" title="Hypoglykämie">Hypoglykämie</a> werden Hungerreize ausgelöst. Außerdem spielt der <a href="Insulin" title="Insulin">Insulinspiegel</a> eine wichtige Rolle, der ebenfalls permanent überprüft wird. Vom Gehirn berücksichtigt werden auch die im Körper gespeicherten Fettreserven in den <a href="Adipozyt" title="Adipozyt">Fettzellen</a>; diese setzen permanent das Hormon <a href="Leptin" title="Leptin">Leptin</a> frei. Je weniger Leptin im Blut vorhanden ist, desto häufiger treten starke Hungergefühle auf. Dies gilt jedoch nur für Menschen mit Normalgewicht, bei <a href="Adipositas" title="Adipositas">Adipositas</a> ist stets eine große Menge Leptin im Blut, die jedoch nicht den erwarteten sättigenden Effekt hat, da in jenem Fall eine Leptin-Resistenz vorliegt. Wie stark die Esslust hier durch die <a href="Psyche" title="Psyche">Psyche</a> bestimmt wird, ist noch ungeklärt. Bei <a href="Di%C3%A4t" title="Diät">Diäten</a> sinkt die Leptinkonzentration generell deutlich, was nachfolgende Heißhungeranfälle erklärt. Erst vor einigen Jahren wurde das Hormon <a href="Ghrelin" title="Ghrelin">Ghrelin</a> entdeckt. Seine Konzentration sinkt nach der Nahrungsaufnahme und steigt dann allmählich wieder an. Es wird im Magen-Darmtrakt gebildet und wird vorwiegend vom Füllungzustand des Magens gesteuert (Mechanorezeptoren)<sup id="cite_ref-:4_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-:4-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Neben diesen physiologischen Prozessen lösen aber auch eine Reihe von äußeren Einflüssen wie Geruch, Geschmack oder Aussehen der Nahrungsmittel Hunger oder Sättigung aus.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Heißhunger"><span id="Hei.C3.9Fhunger"></span>Heißhunger</h2></div>
<p>Der Heißhunger (<i>Zynorexie</i>) unterscheidet sich von normalen Hungergefühlen durch einen plötzlich einsetzenden extremen Drang nach sofortiger Nahrungsaufnahme, wobei mitunter körperliche Symptome wie Zittern und Schweißausbrüche hinzukommen. Häufig besteht ein starkes Verlangen nach Süßem oder nach bestimmten Nahrungsmitteln, das eher mit <a href="Appetit" title="Appetit">Appetit</a> gleichzusetzen ist als mit Hunger. Mediziner unterscheiden drei Formen von Heißhunger: den körperlich bedingten, den psychisch bedingten und eine Mischform.
</p><p>Der körperlich bedingte Heißhunger kann als Signal für eine akute <a href="Unterzuckerung" class="mw-redirect" title="Unterzuckerung">Unterzuckerung</a> auftreten, also einen starken Abfall des Blutzuckerspiegels, der nicht nur bei <a href="Diabetes_mellitus" title="Diabetes mellitus">Diabetes mellitus</a> auftreten kann. Am schnellsten steigt der Blutzuckerwert durch schnell resorbierbare <a href="Kohlenhydrate" title="Kohlenhydrate">Kohlenhydrate</a> wie <a href="Traubenzucker" class="mw-redirect" title="Traubenzucker">Traubenzucker</a> an, da diese <a href="Zuckerart" title="Zuckerart">Zuckerart</a> besonders schnell ins Blut aufgenommen wird. Heißhunger kann durch häufiges Essen von schnell resorbierbaren Kohlenhydraten wie Einfachzucker und <a href="Auszugsmehl" title="Auszugsmehl">Weißmehlprodukte</a> begünstigt werden. <a href="Vollkornprodukt" class="mw-redirect" title="Vollkornprodukt">Vollkornprodukte</a> und fett- oder eiweißreiche Lebensmittel verzögern den Blutzuckeranstieg und halten den Zuckerspiegel nach einer Mahlzeit für längere Zeit konstant. Nach Diäten kann es zu Heißhungeranfällen kommen, da der Körper so den Kalorienverlust wieder auszugleichen versucht. Es gibt hormonell bedingte Heißhungeranfälle in der <a href="Schwangerschaft" title="Schwangerschaft">Schwangerschaft</a> und bei einigen Frauen in einer bestimmten Phase des monatlichen <a href="Menstruationszyklus" title="Menstruationszyklus">Menstruationszyklus</a>.
</p><p>Der Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel kann kulturell unterschiedlich interpretiert werden. Verspürt eine Frau einen Heißhunger auf Gewürzgurken, wird dies in Deutschland als Indiz für eine mögliche Schwangerschaft verstanden. In Frankreich wird dagegen beim Heißhunger auf <a href="Erdbeeren" title="Erdbeeren">Erdbeeren</a> eine Schwangerschaft vermutet. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe gelten beide Nahrungsmittel als besonders geeignet zum Verzehr während der Schwangerschaft.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Psychisch bedingter Heißhunger wird nicht durch einen körperlichen Bedarf, sondern häufig durch <a href="Stress" title="Stress">Stress</a> und negative <a href="Emotion" title="Emotion">Emotionen</a> ausgelöst, wobei die Essgelüste zu einer Gewohnheit werden. Sättigungsgefühle werden von einer verstärkten <a href="Serotonin" title="Serotonin">Serotoninausschüttung</a> durch den Hypothalamus begleitet (Serotonin gilt als stimmungsaufhellend). Viele Heißhungeranfälle stellen eine Mischform dar. Regelmäßige Essanfälle gelten als <a href="Essst%C3%B6rung" title="Essstörung">Essstörung</a> und kommen sowohl bei <a href="Adipositas" title="Adipositas">Adipositas</a>-Patienten als auch bei <a href="Bulimie" class="mw-redirect" title="Bulimie">Bulimie</a> und <a href="Binge-Eating-St%C3%B6rung" title="Binge-Eating-Störung">Binge-Eating-Störung</a> vor. In diesen Fällen geht die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme während eines Anfalls völlig verloren.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hedonischer_Hunger">Hedonischer Hunger</h2></div>
<p>Die erwartete Freude am Essen kann einen positiven Anreiz geben, ohne dass ein Kaloriendefizit vorhanden ist. Besonderes besteht Appetit auf energiedichte, fettreiche und süße Lebensmittel. Ferner besteht ein Zusammenhang zwischen Emotionen - sowohl positiven (z. B. Freude) als auch negativen (z. B. Stress oder Depression) - und dem Essverhalten. Besonders in westlichen Gesellschaften mit reichlichem Nahrungsangebot kann emotionales Essen zu Übergewicht führen, insbesondere bei Kindern. Dies passiert besonders dann, wenn gesunde Nahrung wie Gemüse und Ballaststoffe vermieden werden. Kardiovaskuläre Krankheiten, <a href="Hypertonie" title="Hypertonie">Hypertonie</a> und <a href="Typ-2-Diabetes" class="mw-redirect" title="Typ-2-Diabetes">Typ-2-Diabetes</a> können die Folge, selbst bei Jugendlichen sein<sup id="cite_ref-:4_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-:4-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hunger-beeinflussende_Darmflora">Hunger-beeinflussende Darmflora</h2></div>
<p>Es besteht eine enge Wechselwirkung zwischen dem intestinalen Mikrobiom (Darmflora) und den Nährstoffsensoren auf der Darmoberfläche. Über die Kommunikation der Darm-Hirn-Achse werden diese Signale über den Vagusnerv, das periphere Kreislaufsystem oder das Immunsystem an das zentrale Nervensystem weitergeleitet und beeinflussen so den Appetit des Wirts. Die Bildung dieser „Mikrobiota-Darm-Gehirn“-Achse verdeutlicht die entscheidende Rolle der Darmflora bei der Appetitregulation. Die regulierenden Signale des Appetits beruhen in erster Linie auf Appetithormonen z.B Ghrelin und mikrobiellen Metaboliten wie kurzkettigen Fettsäuren.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-:4_3-2" class="reference"><a href="#cite_note-:4-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hungern_und_Fasten">Hungern und Fasten</h2></div>
<p>Bis in die Gegenwart müssen Menschen in einigen Weltregionen damit rechnen, Opfer einer <a href="Hungersnot" title="Hungersnot">Hungersnot</a> zu werden und aus Nahrungsmangel zu verhungern. Es gibt daher die wissenschaftliche Theorie, dass das menschliche Gehirn im Laufe der <a href="Evolution" title="Evolution">Evolution</a> <a href="Gen" title="Gen">genetisch</a> so programmiert wurde, dass das Essverhalten dem Anlegen von Energiereserven für Notzeiten entspricht. Demnach wäre die Bevorzugung energiereicher <a href="Nahrungsmittel" class="mw-redirect" title="Nahrungsmittel">Nahrungsmittel</a> und übermäßiges Essen bei reichhaltigem Nahrungsangebot angeboren.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Einige andere wissenschaftliche Erklärungsansätze widersprechen dieser These.
</p><p>Bei stark reduzierter Nahrungszufuhr oder völligem Nahrungsentzug schaltet der Körper schon nach einem Tag auf den <a href="Hungerstoffwechsel" title="Hungerstoffwechsel">Hungerstoffwechsel</a> um. Das gilt auch für niedrigenergetische <a href="Di%C3%A4t" title="Diät">Diäten</a>. Das bedeutet, dass der Körper den Energieverbrauch stark senkt, was unter anderem dazu führt, dass der <a href="Blutkreislauf" title="Blutkreislauf">Blutkreislauf</a> langsamer arbeitet und die <a href="K%C3%B6rpertemperatur" title="Körpertemperatur">Körpertemperatur</a> etwas absinkt. Er gewinnt die nötige Energie zunächst aus der vorhandenen <a href="Glykogen" title="Glykogen">Glykogenreserve</a> und danach aus dem Fett der Fettzellen, nach einigen Tagen zunehmend aus dem körpereigenen <a href="Protein" title="Protein">Eiweiß</a>, wobei es hierfür keine Depots gibt, sondern die <a href="Muskel" class="mw-redirect" title="Muskel">Muskelmasse</a> abnimmt. Bei längerfristigem Nahrungsentzug, auch beim <a href="Fasten" title="Fasten">Fasten</a>, kann u. a. der <a href="Herzmuskel" title="Herzmuskel">Herzmuskel</a> geschädigt werden. Außerdem wird nach dem <a href="Fettgewebe" title="Fettgewebe">Fettgewebe</a> auch anderes Körpergewebe allmählich abgebaut. Beim Hungerstoffwechsel kommt es zur <a href="Ketose_(Stoffwechsel)" title="Ketose (Stoffwechsel)">Ketose</a>. Der lang anhaltende Verzicht auf Nahrung oder lang anhaltende Hungerzustände führen letztendlich zum Hungertod.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Folgen">Folgen</h2></div>
<p>Bei anhaltendem Hunger werden vom Gehirn eine Reihe von Stresshormonen ausgeschüttet, was zu psychischem <a href="Stress" title="Stress">Stress</a> und innerer Unruhe führt. Gleichzeitig werden jedoch auch stimmungsaufhellende <a href="Hormon" title="Hormon">Hormone</a> gebildet, vor allem <a href="Serotonin" title="Serotonin">Serotonin</a>. Obwohl <a href="Fasten" title="Fasten">Fasten</a> für den Körper physiologisch dieselben Auswirkungen hat wie Hungern, entfällt in diesem Fall der psychische Stress, da der Nahrungsverzicht freiwillig und geplant erfolgt. Das führt dazu, dass wesentlich mehr <a href="Endorphin" class="mw-redirect" title="Endorphin">Endorphine</a> als Stresshormone gebildet werden, die aufgrund des verlangsamten <a href="Stoffwechsel" title="Stoffwechsel">Stoffwechsels</a> lange im Blut bleiben. Diese wirken als körpereigene <a href="Opioid" class="mw-redirect" title="Opioid">Opioide</a> und können einen leichten Rauschzustand erzeugen, der bis zu <a href="Euphorie" title="Euphorie">euphorischen</a> Zuständen reichen kann. Die Belastung für den Körper vergrößert sich allerdings, wenn während des Arbeitsalltags gefastet wird, weswegen der Fastende sich aus dem Alltag zurückziehen sollte. Längerem Fasten wird von Medizinern daher ein Suchtpotenzial zugesprochen.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dieser Rauschzustand spielt bei <a href="Magersucht" class="mw-redirect" title="Magersucht">Magersucht</a> eine Rolle. Ein <a href="Hungerstreik" title="Hungerstreik">Hungerstreik</a> ist als freiwilliger Nahrungsverzicht psychisch mit dem Fasten vergleichbar.
</p><p>Die bekannteste wissenschaftliche Untersuchung über die körperlichen und psychischen Auswirkungen unfreiwilligen Nahrungsentzugs ist die <a href="Minnesota_Starvation_Experiment" title="Minnesota Starvation Experiment">Minnesota-Studie</a> aus dem Jahre 1944. Teilnehmer waren 36 gesunde Freiwillige, die in einem Camp ein halbes Jahr lang mit der Hälfte der üblichen Zufuhr an <a href="Physiologischer_Brennwert" title="Physiologischer Brennwert">Nahrungsenergie</a> auskommen mussten. Danach wurden sie drei Monate lang weiterhin beobachtet. Die Männer verloren im Schnitt 25 Prozent ihres Körpergewichts, der Grundumsatz verringerte sich um 40 Prozent. In der Hungerphase wurde Essen zum zentralen Thema der Probanden, mit dem sie sich auch außerhalb der Mahlzeiten ständig beschäftigten. Auf psychischer Ebene kam es zu starken Stimmungsschwankungen, <a href="Aggression" title="Aggression">Aggressionen</a>, <a href="Depression" title="Depression">Depressionen</a>, dem Rückgang des Sexualtriebes und zu Schlafstörungen. Nach dem Ende der Hungerphase traten bei vielen Teilnehmern Heißhungeranfälle auf, die <a href="S%C3%A4ttigung_(Physiologie)" title="Sättigung (Physiologie)">Sättigungsregulation</a> war gestört, so dass teilweise gar keine Sättigung mehr wahrgenommen wurde, und die Fixierung auf Essen blieb längere Zeit erhalten.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine 2011 vorgestellte Studie zeigte, dass noch ein Jahr nach einer niedrig-energetischen Diät mit 2300 <a href="Kilojoule" class="mw-redirect" title="Kilojoule">kJ</a>/Tag (550 <a href="Kalorie" title="Kalorie">kcal</a>/Tag) über 10 Wochen und einem mittleren Gewichtsverlust von 13,5 kg die Hormone <a href="Pathologie" title="Pathologie">pathologisch</a> verändert bleiben, die Appetit und Gewichtszunahme steigern. Ebenso blieb das Hungergefühl verstärkt.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Leidet ein Kind bereits im Mutterleib unter Mangelernährung, hat es kaum die Chance, seinen Entwicklungsrückstand wieder aufzuholen. Es hat häufig ein geschwächtes Immunsystem und ist dadurch anfälliger für Infektionskrankheiten. Die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes ist eingeschränkt, es kann sich schlechter konzentrieren und erbringt schlechtere Schulleistungen. Außerdem ist ein mangelernährtes Kind anfälliger dafür, im Erwachsenenalter chronische Krankheiten zu entwickeln. Beides führt in der Tendenz dazu, dass das Kind im Erwachsenenalter eine reduzierte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit hat.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spätfolgen"><span id="Sp.C3.A4tfolgen"></span>Spätfolgen</h2></div>
<p>Siehe <a href="Unterern%C3%A4hrung" title="Unterernährung">Unterernährung</a>, <a href="Hungerstoffwechsel" title="Hungerstoffwechsel">Hungerstoffwechsel</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Tabelle_der_Formen_des_Hungers">Tabelle der Formen des Hungers</h2></div>
<table class="wikitable sortable">
<tbody><tr>
<th>
</th>
<th>Individuell
</th>
<th>Kollektiv
</th></tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="background:#F0F4F8"><b>Freiwillig</b>
</td>
<td><a href="Fasten" title="Fasten">Fasten</a>
</td>
<td>Religiöses Fasten
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Hungerk%C3%BCnstler" title="Hungerkünstler">Hungerkünstler</a>
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Di%C3%A4t" title="Diät">Diät</a>
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td>Sport
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td rowspan="9" style="background:#F0F4F8"><b>Erzwungen</b>
</td>
<td>Folter
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td>Armut
</td>
<td>Armut
</td></tr>
<tr>
<td>Psychische Erkrankung
</td>
<td>Vernachlässigung in Heimen/Anstalten
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td>Hunger als Waffe
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td><a href="Vernichtungslager" title="Vernichtungslager">Vernichtungslager</a>
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td><a href="Todesmarsch" title="Todesmarsch">Todesmärsche</a>
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td><a href="Rationierung" title="Rationierung">Rationierungen</a>
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td><a href="Hungersnot" title="Hungersnot">Hungersnöte</a>
</td></tr>
<tr>
<td>
</td>
<td>Hunger in der Nachkriegszeit
</td></tr>
<tr>
<td rowspan="4" style="background:#F0F4F8"><b>Erzwungen</b><br> oder<br><b>Freiwillig</b>
</td>
<td>Hungern zum Überwinden des Hungers
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td>Verzicht für jemand anderen
</td>
<td>
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Hungerstreik" title="Hungerstreik">Hungerstreik</a>
</td>
<td><a href="Hungerstreik" title="Hungerstreik">Hungerstreik</a>
</td></tr>
<tr>
<td>Drogen
</td>
<td>
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sozialwissenschaftlicher_Forschungskontext">Sozialwissenschaftlicher Forschungskontext</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Neuzeit"><span id="Fr.C3.BChe_Neuzeit"></span>Frühe Neuzeit</h3></div>
<p>Im klassischen Erklärungsansatz zu Hunger werden <a href="Hungerkrise" class="mw-redirect" title="Hungerkrise">Hungerkrisen</a> in der <a href="Fr%C3%BChe_Neuzeit" title="Frühe Neuzeit">Frühen Neuzeit</a> lediglich auf schlechte Ernten und Nahrungsmangel in der jeweiligen Region oder Gesellschaft zurückgeführt.<sup id="cite_ref-:0_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der klassische Interpretationsansatz nach Abel und Labrousse sieht Hunger als Haupttyp einer umfassenden sozialökonomischen Krise der vorindustriellen-kapitalistischen Gesellschaft, die bis in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in unregelmäßigen Abständen wiederkehrte. Dabei steht der Ernteausfall ursächlich im Zentrum, der zu Über- oder Hungersterblichkeit führt. Kriege, Krisen und Praktiken herrschaftlich-staatlicher Abschöpfung sind als nebensächliche Ursachen zu betrachten.<sup id="cite_ref-:0_15-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im neueren Interpretationsansatz spielt der wetter- und klimabedingte Ertragsrückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung zwar immer noch eine wichtige Rolle in der Suche nach Ursachen von Hungerkrisen in der Frühen Neuzeit. Allerdings werden spezifische Minderberechtigungen und Ungleichheiten für bestimmte Gruppen und Schichten einer Gesellschaft, also die sozialen Verhältnisse, als ebenso entscheidend – wenn nicht wichtiger – betrachtet. So treten vor allem die Wirkung politisch-herrschaftlicher Faktoren als Krisen verursachende oder krisenverstärkende, aber auch krisensteuernde und krisenmildernde Momente in den Vordergrund.<sup id="cite_ref-:0_15-2" class="reference"><a href="#cite_note-:0-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zur Verschärfung von Hungerkrisen tragen strukturelle, längerfristig wirkende Faktoren, wie anhaltende Nahrungslosigkeit, Armut und Verarmung verursachend bei. Diese sind Folge von politisch-herrschaftlichen Praktiken, wie herrschaftliche Abschöpfung von Nahrung und Steuern, oder langandauernder <a href="Unterern%C3%A4hrung" title="Unterernährung">Unter-</a> und/oder <a href="Fehlern%C3%A4hrung" title="Fehlernährung">Fehlernährung</a>.<sup id="cite_ref-:0_15-3" class="reference"><a href="#cite_note-:0-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Hunger, Hungerpolitik und Hungererfahrungen in den Krisen des frühen 19. Jahrhunderts müssen im historischen Kontext gesehen werden. Zur Analyse dieses Zusammenhanges gehören sowohl natürlich-klimatische, konjunkturelle und strukturelle Ursachen und auch Formen, Praktiken und Symbole von Hungerpolitik und Erfahrungen der Hungernden.<sup id="cite_ref-:0_15-4" class="reference"><a href="#cite_note-:0-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Neuzeit">Neuzeit</h3></div>
<p>Im Gegensatz zum heutigen Welthungerproblem, das von chronischer Mangelernährung bestimmt wird, kann man die Hungerkrisen des 20. Jahrhunderts als politischen Sprengstoff sehen. Selbst <a href="Autoritarismus" title="Autoritarismus">autoritäre Regime</a> verschwiegen Hungerkrisen nicht, sondern politische Führungsschichten versuchten akute Hungersnöte zu verhindern und in Notlagen internationale Hilfe und Publizität zu beanspruchen. Hungersnöte des 20. Jahrhunderts sind als komplexe, durch soziale Interaktionen entstandene Prozesse zu verstehen. Bei diesen Prozessen hängen Gesamtangebot, Marktfunktionieren und Marktteilnehmer sowie staatliches und sonstiges politisches Handeln zusammen.<sup id="cite_ref-bpb_Gerlach_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-bpb_Gerlach-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In historischen Darstellungen zu Hunger im 20. Jahrhundert werden oftmals Opfernarrative geschaffen, um <a href="Fremdherrschaft" title="Fremdherrschaft">Fremdherrschaft</a> zu brandmarken, dafür werden aber viele Aspekte, die die Hungerkrisen mitverursacht haben oder mit ihnen einhergingen, ausgeblendet. Agrarproduktion, Märkte und Politik müssen in Verbindung gesehen werden, um ursächliche Erklärungen zu finden.<sup id="cite_ref-bpb_Gerlach_16-1" class="reference"><a href="#cite_note-bpb_Gerlach-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach James Vernon gibt es drei Regimente zur Wahrnehmung des Hungers in verschiedenen Zeiten, von denen das letzte in der Neuzeit anzusiedeln ist:<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ol><li>Göttliches Regiment: Hunger ist Teil des unausweichlichen göttlichen Plans.</li>
<li>Moralisches Regiment: Hunger als Resultat von individuellem Versagen. Unfähigkeit, eine richtige Arbeit zu erlernen, <a href="Liberalismus" title="Liberalismus">Liberalismus</a>.</li>
<li>Soziales Regiment (ab 1840): Hunger als kollektives und gesellschaftliches Problem, in welchem Hungernde Opfer von versagenden politischen und ökonomischen Systemen sind, über welche sie selbst keine Kontrolle haben.</li></ol>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zeitgeschichte">Zeitgeschichte</h3></div>
<p>Bei der Wahrnehmung von Hunger in der heutigen Zeit muss von einem Spektrum gesprochen werden. Dieses Spektrum reicht von endemischer <a href="Mangelern%C3%A4hrung" title="Mangelernährung">Mangelernährung</a> bis zur übermäßigen <a href="Mortalit%C3%A4t" title="Mortalität">Mortalität</a> und den dazugehörigen Krankheiten. Zudem geht man heute in der entwickelten Welt von der Annahme aus, dass Hungerkrisen verhindert werden können. Deswegen ist der Anspruch an globale <a href="Menschlichkeit" title="Menschlichkeit">Humanität</a> weit gestreut, Hunger wird in den Fokus des <a href="Aktivismus" title="Aktivismus">Aktivismus</a> gesetzt und ist ein effektives Mittel, um Bewusstsein für weltweite Armut zu schaffen.
</p><p>Allumfassende Hungerkrisen sind seltener heute und unter den richtigen Bedingungen weniger wahrscheinlich in der Zukunft. Trotzdem bleiben sie heute noch bestehen, obwohl dort, wo Ernteausfall die größte Gefahr ist, eine Kombination aus Öffentlichkeitsarbeit, Marktkräften und Nahrungshilfen die Mortalitätsrate während substantieller Krisen reduzieren könnte.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="FAD_–_Food_Availability_Decline"><span id="FAD_.E2.80.93_Food_Availability_Decline"></span>FAD – Food Availability Decline</h3></div>
<p>FAD bezieht sich auf <a href="Neodarwinismus" title="Neodarwinismus">neodarwinistische</a> Positionen und leiten Hunger und Hungertod aus dem physischen Fehlen von Nahrungsmitteln infolge von Missernten bei gleichzeitigem Bevölkerungsdruck und Ressourcendegradation ab.<sup id="cite_ref-:1_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-:1-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="FED_–_Food_Entitlement_Decline"><span id="FED_.E2.80.93_Food_Entitlement_Decline"></span>FED – Food Entitlement Decline</h3></div>
<p>Mit der Entitlement-Theorie konnte <a href="Amartya_Sen" title="Amartya Sen">Amartya Sen</a> belegen, dass die verheerende Hungersnot in <a href="Bengalen" title="Bengalen">Bengalen</a> nicht etwa durch den Mangel an Nahrungsmittel verursacht wurde (FAD). Millionen von Menschen in Bengalen verhungerten, obwohl insgesamt mehr Nahrungsmittel erzeugt wurden als in den Jahren zuvor. Die kritische Schwachstelle zwischen Produktion und Konsum ergab sich vielmehr aus einer Verschlechterung der Austauschbedingungen (Exchange Entitlements) für zahlreiche ländliche Armutsgruppen. Da Nahrungsmittel in der kolonialen Ökonomie Indiens zu einer Handelsware geworden waren und gleichzeitig der Zusammenbruch der „Moral Economy“ die traditionellen Sicherungssysteme geschwächt hatte, waren Millionen Menschen trotz voller Getreidespeicher dem Hungertod ausgeliefert. Die Ursachen der Hungersnot liegen also im Verfall der Verfügungsrechte (FED). Die Entitlement-Theorie kann als Grundlage der sozialwissenschaftlichen Verwundbarkeitsdiskussion betrachtet werden.<sup id="cite_ref-:1_19-1" class="reference"><a href="#cite_note-:1-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Peripherie-Zentrum-Modell">Peripherie-Zentrum-Modell</h3></div>
<p>Zur Analyse des Entstehens von Hunger kann das Peripherie-Zentrum-Modell hinzugezogen werden. Dieses wird zur Analyse von wirtschaftlichen, politischen, sozialen oder kulturellen Beziehungen zwischen Staaten oder Regionen verwendet. In der Wirtschaftstheorie wird von fundamentalen Strukturunterschieden zwischen den Regionen ausgegangen. So verläuft die Entwicklung in den Zentren und den Randgebieten (Peripherie) ungleichmäßig. Dies führt dazu, dass kein raumwirtschaftlicher Gleichgewichtszustand erreicht wird. Das Zentrum ist wirtschaftlich aktiver, relativ weit entwickelt, produziert v. a. Industriewaren und gilt als innovativ und fortschrittlich (Städte, Ballungsgebiete). Die Peripherie, die auch als ländlicher Raum bezeichnet werden kann, ist durch Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung geprägt. Zentrum und Peripherie stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis, in dem das Zentrum Einfluss (Macht) auf die Peripherie ausüben kann.
</p><p>Das Zentrum-Peripherie-Modell wird in der <a href="Entwicklungspolitik" title="Entwicklungspolitik">Entwicklungspolitik</a> zur Erfassung globaler, regionaler und innerstaatlicher Abhängigkeitsbeziehungen verwendet. Grundannahme ist die hierarchische Struktur der Weltgesellschaft, die historisch durch die sich ausbreitende kapitalistische Weltwirtschaft mit multinationalen Unternehmen als Hauptakteuren und die internationale Arbeitsteilung entstanden ist. Danach bilden die <a href="Kapitalismus" title="Kapitalismus">kapitalistischen Länder</a> das Zentrum und die Entwicklungsländer die Peripherie. Die wirtschaftliche Entwicklung ist dabei gekennzeichnet durch wachsenden Wohlstand in den Industrieländern und sich verschärfende Armut und Unterentwicklung in den Entwicklungsländern, dies vor allem, weil das Zentrum die Macht hat, die Kosten der Entwicklung auf die Peripherie zu verlagern (z. B. niedrige Rohstoffpreise). Dadurch werden die Wachstumsmöglichkeiten der Peripherie begrenzt. In der Folge kann beispielsweise Hunger entstehen.
</p><p>Mit dieser Herleitung wird unterstellt, dass die Unterentwicklung in den Entwicklungsländern extern verursacht wurde und die fortdauernde externe Abhängigkeit der wesentliche Faktor für die Situation der Entwicklungsländer und die Verschärfung des Nord-Süd-Konflikts ist. Übertragen auf die innerstaatliche Situation der Entwicklungsländer führt das Zentrum-Peripherie-Modell sowohl zur Erklärung der gegensätzlichen Entwicklung von traditionellen ländlichen Regionen und modernen Stadtregionen als auch von hoch entwickelten Stadtzentren und verarmten Stadtperipherien.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vulnerabilitätskonzept"><span id="Vulnerabilit.C3.A4tskonzept"></span>Vulnerabilitätskonzept</h3></div>
<p>Das Vulnerabilitätskonzept soll eine Brücke zwischen naturwissenschaftlichem Verständnis und sozialwissenschaftlichem Verständnis von Verwundbarkeit gegenüber <a href="Katastrophe" title="Katastrophe">Katastrophen</a> (z. B. Hungerkrisen) schlagen. Dabei soll eine Annäherung der erarbeiteten Konzepte der jeweiligen Forschungsfelder stattfinden und vor allem deren gegenseitiger Einfluss aufeinander erkannt werden.
</p><p>In den <a href="Sozialwissenschaften" title="Sozialwissenschaften">Sozialwissenschaften</a> wird die <a href="Vulnerabilit%C3%A4t" title="Vulnerabilität">Vulnerabilität</a> oder Verwundbarkeit, die auf Grundlage der Entitlement-Theorie aufbaut und diese erweitert, auf rein gesellschaftliche Bedingungen bezogen. In den <a href="Naturwissenschaft" title="Naturwissenschaft">Naturwissenschaften</a> wird sie generell als eine Empfindlichkeit vorher definierter Risikoelemente gegenüber einer Naturgefahr beschrieben. Somit steht dem Fokus auf die ganzheitlichen Gesellschaftssysteme (Sozialwissenschaften) der Fokus auf quantifizierbare Konsequenzen gegenüber (Naturwissenschaften). Sowohl die physischen Phänomene (räumliche, zeitliche) als auch die sozialen Wirkungen und Folgen des physischen Ereignisses entscheiden darüber, ob Naturereignisse und Naturgefahren zu Katastrophen werden, also auch ob eine Hungerkrise entsteht.<sup id="cite_ref-:1_19-2" class="reference"><a href="#cite_note-:1-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die gesellschaftliche Verwundbarkeit kann in vielen Fällen die Katastrophenschäden stärker beeinflussen als die Naturgefahr selbst, und das relative Katastrophenpotenzial einer Gesellschaft ist weitgehend von der Dynamik und der sozialen wie räumlichen Differenziertheit gesellschaftlicher Verhältnisse bestimmt. Zudem gibt es eine dynamische <a href="Dualit%C3%A4t_(Logik)" title="Dualität (Logik)">Dualität</a> von gesellschaftlicher Verwundbarkeit, da es ein permanentes Spannungsfeld zwischen menschlichen Aktivitäten, die Risiken erzeugen, und menschlichen Anstrengungen, die Risiken zu vermeiden, gibt. Dieses Konzept schlägt die Brücke zwischen handlungs- und akteursorientierter sozialwissenschaftlicher Verwundbarkeitsforschung und einer auf Risiko bezogenen naturwissenschaftlichen Gefahrenforschung.<sup id="cite_ref-:1_19-3" class="reference"><a href="#cite_note-:1-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Während in den Sozialwissenschaften die Gesellschaftssysteme in ihrer vielschichtigen, häufig unvorhergesehenen Vernetzung die Verwundbarkeit einzelner Personen oder Akteursgruppen bestimmen und stark beeinflussen, liegt in den Naturwissenschaften der Fokus auf <a href="Quantifizierung" title="Quantifizierung">Quantifizierung</a> der Vulnerabilität einzelner Risikoelemente gegenüber einer Ereignismagnitude.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitung">Verbreitung</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Welthunger" title="Welthunger">Welthunger</a></i></div>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Hungersnot" title="Hungersnot">Hungersnot</a> und <a href="Liste_von_Hungersn%C3%B6ten" title="Liste von Hungersnöten">Liste von Hungersnöten</a></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hunger_in_den_Medien">Hunger in den Medien</h2></div>
<p>In seinem 2007 erschienenen Werk <i>Hunger. A Modern History</i> zeigte der britische Historiker James Vernon, wie sich die Wahrnehmung von Hunger durch neue Formen der Berichterstattung veränderte. Durch journalistische Arbeit wurden individuelle Schicksale hinter dem Hunger herausgearbeitet und dabei die Unschuld der Opfer in den Mittelpunkt gerückt.
</p><p>Ob und in welcher Form die Medien auf eine Hungersnot oder ein anderes humanitäres Problem aufmerksam werden und darüber berichten, hängt von mehreren Akteuren ab: es gibt politische Akteure, die die Aufmerksamkeit der Medien gezielt auf das Problem lenken wollen. Es kommt vor, dass Regierungen versuchen, die Not zu verbergen und die mediale Aufmerksamkeit fernzuhalten. Weitere Akteure sind humanitäre Organisationen. Diese sind auf eine enge Verflechtung mit den Medien angewiesen. Dabei spricht man von einem <a href="R%C3%BCckkopplung" title="Rückkopplung">Feedback Loop</a>: Mitarbeiter internationaler Organisationen versorgen die Medien mit Informationen, die via Presse und Fernsehen ein Publikum finden, dessen Spenden das Weiterleben der Hilfsaktion (und der Helfenden) ermöglichen.<sup id="cite_ref-:2_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-:2-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein Beispiel dafür ist die Organisation „<a href="%C3%84rzte_ohne_Grenzen" title="Ärzte ohne Grenzen">Ärzte ohne Grenzen</a> / Médecins sans frontières“, die von zahlreichen westlichen Nachrichtenagenturen als verlässliche Quelle in Krisengebieten geführt wird.
</p><p>Ein ehemaliger Präsident der „Ärzte ohne Grenzen“, Rony Brauman (* 1950), hat in seinem Buch über seine Arbeit bei der Organisation vier Grundbedingungen für eine erfolgreiche Kampagne zusammengefasst:<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>Permanenter Bildfluss</li>
<li>Keine Konkurrenz durch andere Katastrophen</li>
<li>Mediationsperson in Gestalt eines Helfers oder einer Helferin, welcher/welche Aussicht auf Linderung verspricht</li>
<li>Unschuld der Opfer</li></ul>
<p>Besondere Wirkung in den Medien haben Bilder. Forschungen von David Campbell und Valérie Gorin haben gezeigt, dass im Hungerdiskurs Bilder zu Symbolen von Hunger oder Leid wurden. Sie gehen über das Bild als Abbild der Lage hinaus und strukturieren die Wahrnehmung der Realität. Dabei werden die abgebildeten Personen als hilfsbedürftig und unschuldige Opfer inszeniert, aber auch ihrem Lebenskontext entrissen und so zu <a href="Ikone" title="Ikone">Ikonen</a> des Leides. Im Hungerdiskurs äußert sich dies oft in <a href="Stereotyp" title="Stereotyp">stereotypischen</a> Repräsentationen von hungernden Kindern und Müttern.<sup id="cite_ref-:2_20-1" class="reference"><a href="#cite_note-:2-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>David Campbell verweist in seiner Arbeit darauf, dass individuelles Leid bei Adressaten stärkere Reaktionen hervorruft als das Leiden einer Gruppe, wie sozialpsychologische Studien gezeigt haben. Von der postkolonialen Forschung wird kritisiert, dass die Permanenz von Opferbildern, vor allem aus Afrika, zum Fortschreiben von kolonialen Machtsymmetrien in den Köpfen der Menschen führt. Es fehlen positive Gegenbilder zu Afrika und humanitären Katastrophen.<sup id="cite_ref-:2_20-2" class="reference"><a href="#cite_note-:2-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Studien nach den <a href="Live_Aid" title="Live Aid">Live-Aid</a>-Konzerten ergaben, dass über 80 % der Briten Entwicklungsländer mit Hunger, Katastrophen und westlicher Hilfe assoziieren.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese Stereotype werden zudem durch das Marginalisieren oder Weglassen des Kontexts der Krisen und Bilder gestützt.
</p><p>Lukas Zürcher<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bearbeitet die Mediatisierung des Hungers in Afrika exemplarisch anhand von Quellen der kirchlichen Organisation der „<a href="Wei%C3%9Fe_V%C3%A4ter" title="Weiße Väter">Weißen Väter</a>“, welche ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Afrika missionierten. Dabei arbeitete er die christliche Metaphorik im Kontext des Hungers heraus. In der Bibel wird oft die Verbindung zwischen dem Hunger nach Brot und dem Hunger nach Gott gezogen. Dabei befindet sich die Person, welche hungert, im Zustand der Gottesferne. Der Mangel an Nahrung sowie der Mangel an Glaube, Liebe und Hoffnung lassen die Menschen empfänglich für die Verführung durch den Teufel werden und bedrohen ihre Existenz.
</p><p>Zürcher hat in seiner Arbeit drei Arten, über Hunger zu sprechen, aus den Missionsschriften des Ordens herausgearbeitet:
</p>
<ul><li>Der Hunger der Missionierenden selbst</li>
<li>Betonung des Gegensatzes von hungernden Christen und hungernden Heiden (Christen können den Hunger aufgrund von geistiger Nahrung ertragen, während das Hungerleiden bei Heiden in Gewalt ausartet)</li>
<li>Hunger der Afrikaner nach dem Wort Gottes</li></ul>
<p>In ihren weißen Roben inszenierten sich die „Weißen Väter“ selbst beinahe als Heilige und ließen biblische Assoziationen anklingen, wie die Legende des <a href="Barmherziger_Samariter" title="Barmherziger Samariter">barmherzigen Samariters</a>.
</p><p>Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965, an welchem eine Erklärung der Religionsfreiheit und einer toleranten Haltung gegenüber nichtchristlichen Religionen beschlossen wurde, stellt Zürcher einen Wandel im katholischen Missionsverständnis, und so in den Schriften des Ordens der „Weißen Väter“ fest. Da das Missionieren im herkömmlichen Sinn durch den Beschluss der Kirche nicht mehr möglich war, verschob sich der Fokus der Schriften von einem Hunger nach Gottes Wort zu physischem Hunger, welcher mit Hilfe von Nahrungsmittelabgaben bekämpft werden konnte. Man musste die Legitimation für Einsätze von kirchlichen, aber auch generell aller westlichen Organisationen in Afrika bekräftigen. Dabei spielte die Entwicklung der globalen Entwicklungsgemeinschaften in den 1960er Jahren eine Rolle.
</p><p>Einen ganz anderen Zusammenhang zwischen Hunger und Medien stellt die Psychologin Christiane Eichenberg in ihrem Aufsatz <i>Hungern im Netz</i> über Essstörungen her.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie untersuchte die Ursachenforschung für diese Art von psychischen Erkrankungen. Diese lassen sich in zwei Bereiche teilen: Die psychologischen Determinanten und die soziokulturellen Determinanten: Unter die soziokulturellen Determinanten fallen neben Familien und Peergruppen auch die Gendernormen und Rollenerwartungen der Gesellschaft, bei deren Vermittlung den Medien eine bedeutende Rolle zukommt. Doch diese Rolle ist ambivalent: Zum einen kann die öffentliche Thematisierung psychischer Störungen einen Beitrag zur Überwindung dieser Probleme leisten. Zum andern stehen die Medien unter Verdacht, selbst ein Teil des Problems zu sein, da sie als Vermittler gesellschaftlicher Leitbilder und als Quelle von Vorbildern und Körperidealen agieren. Besonders kritisch sieht Eichenberg die <a href="Pro-Ana" title="Pro-Ana">Pro-Ana</a>-Bewegungen im Internet. Diese kann man als Zusammenschluss von Betroffenen charakterisieren, welche ihre Krankheit nicht überwinden, sondern aufrechterhalten und kultivieren wollen. Dabei stehen der Austausch mit Gleichgesinnten in Foren oder Tipps und Tricks zum Abnehmen und die sogenannte „thinspiration“ in Form von Bildern, Filmen, Liedern oder Gedichten dünner Personen über das Hungern im Mittelpunkt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hunger_in_der_Kunst">Hunger in der Kunst</h2></div>
<p>Das Thema Hunger wird in der Kunst auf verschiedene Arten be- und verarbeitet. Was und wie Hunger in der Kunst verarbeitet wird, ist von vielen Faktoren abhängig. In der Kunst lässt sich die Veränderung der Wahrnehmung des Hungers in einer Gesellschaft festmachen. Neben der Darstellung, Abbildung und Beschreibung des Hungers gibt es Künstler, welche das Hungern selbst inszenieren (<a href="Hungerk%C3%BCnstler" title="Hungerkünstler">Hungerkünstler</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Hunger_in_der_Literatur">Hunger in der Literatur</h3></div>
<p>Das Problem am Hunger ist, dass er vieldeutig und kontextabhängig ist und zudem von jeder Person subjektiv erlebt und verarbeitet wird. Was Hunger ist und wie er wahrgenommen wird, hängt in hohem Maß von seinem Kontext ab. Literatur reflektiert diese Problematik.<sup id="cite_ref-:3_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-:3-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sozialgeschichtlich fand das Thema etwa in <a href="Georg_Weerth" title="Georg Weerth">Georg Weerths</a> <i><a href="Das_Hungerlied" title="Das Hungerlied">Hungerlied</a></i> (1844) seinen literarischen Niederschlag. <a href="Herta_M%C3%BCller" title="Herta Müller">Herta Müller</a> hingegen äußert in ihrem Roman <i><a href="Atemschaukel" title="Atemschaukel">Atemschaukel</a></i>, es gebe keine passenden Worte für das Hungerleiden, aber man müsse versuchen, durch Literatur dem Hunger eine Sprache zu verleihen. Flecht geht davon aus, dass genau das Fehlen solcher Worte Hunger zu einem schöpferischen Prinzip der Literatur werden lässt: „Der hungernde Körper spricht nicht für sich selbst; er bedarf der Geschichten, um lesbar zu werden.“<sup id="cite_ref-:3_25-1" class="reference"><a href="#cite_note-:3-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hunger kann als eine poetologische Funktion auftreten, die auslotet, wie Literatur verfasst ist. So handelt der Roman <i>Sult</i> (zu Deutsch: <i><a href="Hunger_(Roman)" title="Hunger (Roman)">Hunger</a></i>) von <a href="Knut_Hamsun" title="Knut Hamsun">Knut Hamsun</a> nicht nur inhaltlich vom Hungern, sondern weist ein hohes Maß an Selbstreflexivität auf: Durch den Hunger reflektiert der Roman die eigene sprachliche Verfasstheit. Zudem kann die Literatur durch das Motiv des Hungers verschiedene kulturelle Phänomene und Diskurse aufgreifen und bearbeiten, wie das Christentum (durch Hunger in Versuchung kommen), die Medizin (Wandel, ethische Probleme), das Entstehen der Konsumgesellschaft oder soziale Ungerechtigkeit. Grundsätzlich gilt, dass die Betrachtung des Hungers in der Literatur immer in Abhängigkeit vom historischen Kontext stattfinden muss, da nur dadurch kulturelle Phänomene herausgearbeitet werden können.
</p><p>Motive des Hungers in der Literatur:
</p>
<ul><li>Hunger und Gefangenschaft (Arbeits- und Vernichtungslager, Gefängnis)</li>
<li>Körperlicher Verfall</li>
<li>Verzweiflung</li>
<li>Verbindung künstlerisches Schaffen und Hunger</li>
<li>Hunger nach Sinn, Antworten, Bedeutung</li>
<li>Christentum (Gottesnähe oder -ferne durch Hunger, <a href="V%C3%B6llerei" title="Völlerei">Völlerei</a>)</li>
<li>Hunger im Medizindiskurs/Medizingeschichte (Entwicklung von Krankheitsbildern)</li>
<li>Reflexion der (entstehenden) <a href="Konsumgesellschaft" title="Konsumgesellschaft">Konsumgesellschaft</a></li>
<li>Ausgangspunkt von politischer Radikalisierung und Revolten</li>
<li>Hunger und Armut</li>
<li>Hunger und Drogen</li></ul>
<p>Literaturwissenschaftlich untersuchte Maud Ellmann unterschiedliche kulturelle Phänomene, welche sie mit Hungern, Schreiben und Gefangenschaft verbindet.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Germanist Christoph Steier sieht Hunger als Medium der Selbstreflexion von Literatur. Hunger wird zum Motiv und formalen Prinzip der Literatur, um eigene Grenzen und Möglichkeiten zu erproben. Dabei spricht er vom „Schauhungern“, einem ausgestellten Hungern.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit einer Perspektive auf die Geschlechter arbeitete die Germanistin Nina Diezmann heraus, dass im medizinischen Diskurs um 1900 Frauen, die nicht aßen, vorwiegend als Patientinnen gesehen wurden, während Männer, die hungerten, oft als willensstark charakterisiert wurden (bspw. Hungerkünstler).<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Durst" title="Durst">Durst</a></li>
<li><a href="Essst%C3%B6rung" title="Essstörung">Essstörung</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size skin-invert-image" typeof="mw:File"><span title="Wikiquote"></span></span></div><b><a href="https://de.wikiquote.org/wiki/Hunger" class="extiw external" title="q:Hunger">Wikiquote: Hunger</a></b> – Zitate </div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Hunger" class="extiw external" title="wikt:Hunger">Wiktionary: Hunger</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ernaehrung.de/tipps/essverhalten/essverhalten10.htm">Deutsche Ernährungsberatungs- und Informationsnetz: Essverhalten – Hunger</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.swr.de/hunger">Hunger</a>, Schwerpunkt der <a href="ARD" title="ARD">ARD</a>-<a rel="nofollow" class="external text" href="http://web.ard.de/themenwoche_2010">Themenwoche 2010 „Essen ist Leben“</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://de.wfp.org/">Informationen des UN World Food Programme (WFP)</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.derhungerhinterdemhunger.de.tl/">Informationen über Essstörungen mit Hilfe</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Joseph Meyer (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Meyers Enziklopädisches Lexikon</cite>. 9. Auflage. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>12</span>, 1976, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>350</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Hunger&rft.btitle=Meyers+Enziklop%C3%A4disches+Lexikon&rft.date=1976&rft.edition=9&rft.genre=book&rft.pages=350&rft.volume=12" style="display:none"> </span></span>
</li>
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</li>
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<li id="cite_note-28"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-28">↑</a></span> <span class="reference-text">Nina Diezemann: <cite style="font-style:italic">Die Kunst des Hungerns. Anorexie in literarischen und medizinischen Texten um 1900.</cite> Hamburg 2005.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Hunger&rft.au=Nina+Diezemann&rft.btitle=Die+Kunst+des+Hungerns.+Anorexie+in+literarischen+und+medizinischen+Texten+um+1900.&rft.date=2005&rft.genre=book&rft.place=Hamburg" style="display:none"> </span></span>
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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!</div>
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